Spatenstich und Sargnagel! Einbahntrasse bleibt Forderung von SPD und Bündis 90/Die Grünen

Veröffentlicht am 21.07.2016 in Ratsfraktion

Michael Kersting, sachkundige Bürger im Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss

In seiner Ansprache zum Spatenstich von Delbrück ging Bürgermeister Werner Peitz kurz und knapp auf die von Bündnis 90/Die Grünen- und SPD-Vertreter*innen gezeigten Einbahnstraßen-Schilder ein. Das veranlasst mich zur folgender Stellungnahme:

" Nein, nein, Herr Bürgermeister, ganz so einfach sollten Sie es sich nicht machen! Beim ersten Spatenstich konnten Sie sich den Seitenhieb auf die Forderung nach einer Einbahnstraße in Delbrück nicht verkneifen, auf die SPD und Bündnis 90/Die Grünen noch einmal aufmerksam gemacht hatten.

Eine Forderung übrigens, die seit mindestens Mitte der 1980er Jahre auf dem Tisch liegt. Schon damals hatte die SPD eine Umfrage nach einer Fußgängerzone in der Innenstadt durchgeführt. Schon damals waren viele Bürgerinnen und Bürger dafür, dass der Verkehr, wenn nicht gänzlich ausgeschlossen, aber dennoch beruhigt werden sollte. Daraus reiften die Idee und die Forderung der Sozialdemokraten nach einer Einbahnstraßenregelung. CDU und der damalige Stadtdirektor Dr. Winnemöller stemmten sich mit aller Macht dagegen und wehrten jeden Versuch mit ihrer Stimmengewalt ab. Selbst ein Verkehrsversuch wurde nicht einmal in Erwägung gezogen.

Ich habe es schon mehrfach gesagt und bleibe dabei: Wer den Versuch nicht wagt, hat Angst vor dem Ergebnis.

Der Bürgermeister bezeichnete eine Einbahnstraße als „Sargnagel für die Geschäftswelt“ . Starker Tobak! Aber mit dieser Aussage stehen Sie, lieber Herr Peitz, und einige Wenige in Delbrück allein da und auf ziemlich verlorenem Posten. Immer wieder werden Salzkotten und Rietberg als abschreckende Beispiele genannt. Diese Innenstädte seien tot. Wenn man aber mit Rietbergern oder Salzkottenern spricht und mit Leuten, die zum „Schnöfkern“ dorthin fahren, hört sich das oft ganz anders an. Und was ist mit Wiedenbrück, das schon ewig lange eine Einbahnstraße hat? Auch tot? Mitnichten! Jeder, der innerhalb Deutschlands Urlaub macht, kennt mit Sicherheit viele Städte, die verkehrsberuhigte Innenstädte haben - oft mit Einbahnstraßen - , in denen die Aufenthaltsqualität ganz andere Dimensionen hat, als bei uns in Delbrück.

Jeder, der sich mit der Thematik befasst, weiß, dass sich das Käuferverhalten in den letzten Jahren massiv verändert hat und noch weiter verändern wird. Aber das ist freie Markwirtschaft: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das gilt auch und insbesondere für Geschäftsleute. Wenn das Warenangebot nicht mehr attraktiv genug ist, bleibt der Kunde weg. Egal wie viele Parkplätze vor dem Geschäft sind. Aber hohe Aufenthaltsqualität zieht Kunden an und da bleibt der eine oder andere Euro im Geschäft. So ist das.

Es ist verständlich und durchaus legitim, wenn sich Geschäftsleute massiv und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Veränderungen wehren, die sie für falsch oder für schädlich halten. Und es ist auch legitim, wenn dabei Einfluss auf politische Parteien genommen wird, zumindest auf die, die aufgrund ihrer Mehrheit entscheidungsfähig sind. Und das ist bei uns die CDU. Lobbyarbeit nennt man das. Die hat hier hervorragend funktioniert.

Es ist aber Aufgabe und Pflicht der Politik die Interessen objektiv gegeneinander abzuwägen und nicht nur denen Gehör zu schenken, die sich am lautesten bemerkbar machen. Diesen Anschein hat es in der Vergangenheit leider sehr oft gegeben. Mit Entrüstung und mit Zorn wehren sich manche CDU-Politiker in Delbrück gegen den Vorwurf, dass sie sich dem Diktat einer bestimmten Klientel beugen. Aber, liebe Damen und Herren der CDU, dann hätten Sie jetzt die Gelegenheit gehabt, einmal zu zeigen, dass es nicht so ist. So aber bleibt ein G’schmäckle.

Die jenigen, die seither einen Einbahnstraße-Versuch fordern, wissen auch nicht, ob die Idee wirklich gut ist. Das kann nur ein Versuch beweisen. Und erst wenn das objektive Ergebnis vorliegt, ist die Sache klar und ausdiskutiert.

Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Den Verkehrsversuch kann man immer noch wagen. Auch nach Beendigung der Baumaßnahmen. Der vor 30 Jahren von Dr. Winnemöller und der damaligen CDU-Spitze geträumte Innenstadtring könnte dann Realität werden. Dann, wenn Oststraße, Thülecke und Lange Straße zur Einbahnstraße werden und der Verkehr über die Himmelreichstraße zur Boker Straße abfließen kann.

Dann könnte die Innenstadt von Delbrück zur Flaniermeile werden. Nur - was machen wir dann mit den vielen leeren und überflüssigen Parkplätzen?".

Delbrück. 19.07.2016

gez.

SPD-Delbrück
Michael Kersting
Pressesprecher

Hier die Pressemitteilung als PDF

 

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