Hin zu menschlicherer Medizin

Veröffentlicht am 26.04.2015 in Bundespolitik

Sterben ist Teil des Lebens. Und dennoch fällt es schwer, darüber zu reden. Nicht so bei einer Podiumsdiskussion der SPD- Bundestagsfraktion in Paderborn. Burkhard Blienert, Bundestagsabgeordneter für den Kreis Paderborn und die Stadt Schloß Holte- Stukenbrock, hatte dazu eingeladen, unter dem Titel „In Würde leben – in Würde sterben“ zu Sterbehilfe zu diskutieren. Im Fokus stand dabei der assistierte Suizid, der im Mittelpunkt der vorgesehenen gesetzlichen Neuregelung steht.

Die Veranstaltung, zu der gut 100 Gäste kamen, bot einen Einblick in die Vielfältigkeit des Themas. Mit einem interdisziplinär besetzten Podium unter der Moderation von Burkhard Blienert wurde lebhaft und emotional debattiert. Dr. Eva Högl, stellvertretende Vorsitzende der SPD- Bundestagsfraktion, bot einen Überblick über die aktuelle politische Diskussion und machte auch keinen Hehl aus ihrer Meinung: „Weitgehend sollten wir die gesetzlichen Regelungen so lassen, wie sie sind, denn wir haben eine klare juristische Abgrenzung zwischen der strafbaren Tötung auf Verlangen und der straffreien Beihilfe zum Suizid.“ Als einzige Änderung sei ihr wichtig, die geschäftsmäßig betriebene Suizidbeihilfe durch Organisationen oder auch Einzelpersonen zu verbieten.

Högl ist Mitverfasserin eines der fünf Positionspapiere, die zur Entstehung eines Gesetzes beitragen sollen. Einen durch Ärzte angebotenen assistierten Suizid lehnte sie ab: „Es ist nicht die Aufgabe von Ärzten, den Tod zu bringen.“ Dennoch soll die ärztliche Entscheidungsfreiheit in ethischen Grenzsituationen am Lebensende erhalten bleiben. Zugleich sprach sie sich für eine Stärkung der Palliativmedizin aus. Damit traf sie auf große Zustimmung bei Prof. Dr. Andreas Lübbe, dem Chefarzt der Palliativstation der Karl- Hansen- Klinik in Bad Lippspringe. „Wir müssen hinkommen zu mehr menschlicher Medizin, weg von der Apparate- Medizin“, forderte er ein Umdenken in der Versorgung kranker Menschen. 75 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen entstünden für die Versorgung in den letzten vier Lebensjahren, machte er deutlich. Dabei würden viele Patienten „übertherapiert“. Statt sie mit medizinisch überflüssigen Therapien zu belasten, sollten die Rahmenbedingungen der Pflege verbessert werden, sodass Menschen in allen Lebenssituationen so begleitet werden können, dass sie „würdig aus dem Leben scheiden können“, so der Palliativmediziner.

Mit dem Ausdruck des „Sterbens in Würde“ setzte sich vor allem Prof. Dr. Ralf Stoecker auseinander. Sein Ansatz: „Es sollten menschenwürdige Lebensumstände geboten werden, statt Mittel zum Suizid an die Hand zu geben.“ Zudem forderte Stoecker dazu auf, das Verhältnis von Würde und Schwäche zu thematisieren: „Wir müssen auch schwächere und bedürftige Lebensphasen in unser Selbstbild einfügen.“ Erleichterte Möglichkeiten des assistierten Suizids setzten zudem diejenigen unter Druck, die trotz Hilfsbedürftigkeit gerne weiterleben möchten.

In der anschließend kontrovers geführten Debatte mit dem Publikum zeigte sich, wie facettenreich das Thema tatsächlich ist. Von christlicher Lehre, von Selbstbestimmtheit, von der Solidargemeinschaft über den Pflegenotstand bis hin zur Patientenverfügung reichte die Palette der Aspekte, die im Zusammenhang mit „Sterbehilfe“ diskutiert wurden. Burkhard Blienert machte zum Schluss noch einmal deutlich: „Die Debatte dreht sich darum, Dritten die Verantwortung für den Selbstmord zu übergeben. Diese sollte aus meiner Sicht niemand tragen müssen.“ Und Eva Högl ergänzte: „Wir sind soziale Wesen, das gilt auch für das Lebensende. Den Terminus „anderen zur Last fallen“ sollten wir daher aus unserem Wortschatz streichen.“

 

Ratsinfosystem

Mitglied werden

Links zu SPD Seiten

 

 

 

Soziale Netzwerke

News

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

Ein Service von websozis.info

Suchen